Ablöse in Stainach-Pürgg
24.04.2026 RegionalesBernhard Schachner wird heute zum Bürgermeister von Stainach-Pürgg ernannt. Trotz Enttäuschung bleibt er der ÖVP treu. Der „Ennstaler“ bat ihn zum Antritts-Interview.
Wie kamen Sie zur Gemeindepolitik?
...Bernhard Schachner wird heute zum Bürgermeister von Stainach-Pürgg ernannt. Trotz Enttäuschung bleibt er der ÖVP treu. Der „Ennstaler“ bat ihn zum Antritts-Interview.
Wie kamen Sie zur Gemeindepolitik?
„Barbara Krenn hat mich 2009 gefragt, ob ich mir das vorstellen könne. Ich treffe lieber selbst Entscheidungen, als mit anderen Entscheidungen zu leben. Das gilt insbesondere für die kommunale Ebene. Und das hat sich in den letzten 16 Jahren nicht geändert.“
Hatten Sie schon damals Ambitionen, irgendwann das Bürgermeisteramt zu übernehmen?
„Darüber habe ich damals noch nicht nachgedacht. Für 2030 gab es Gespräche, nachdem Roland angekündigt hatte, 2025 das letzte Mal zu kandidieren. Ich war ein junger Gemeinderat und gleichzeitig der am längsten dienende – insofern war es logisch, dass es so gekommen ist. Dass Roland schon 2026 sein Amt übergibt, kam überraschend. Ich habe aber aufgrund der Umstände vollstes Verständnis für seinen Schritt.“
Wie fühlt es sich an, bald Bürgermeister einer Gemeinde zu sein?
„Seit dem 4. März, als wir die Nachfolge öffentlich machten, fühlt es sich von Tag zu Tag richtiger an. Es gibt so viele Sachen, wo ich nicht mehr zusehen kann. Es sind alte Denkweisen, die blockieren und wir werden nicht aus allen Krisen von selbst rauswachsen. Außerdem können wir nicht schon das Geld unserer Enkel ausgeben.“
Was meinen Sie mit „alte Denkweisen, die blockieren“?
„Wir sind bald vier junge Bürgermeister in der Kleinregion, wo ich mit 39 Jahren der älteste bin. Es gibt Bewegungen, auch innerhalb der ÖVP, die sich erwarten, dass wir schön leise und brav sind. Das hat mich in der Intensität schon überrascht, aber das motiviert mich nur noch mehr. Man wollte mir beispielsweise einen Maulkorb hinsichtlich des Krankenhauses verpassen. Darauf antwortete ich: ,Wenn ich wo sein möchte, wo ich nichts sagen darf, gehe ich nach Ungarn.‘ Wir fühlen uns teilweise von Graz übersehen. Der Bezirk ist mehr als Nightrace, Saison Opening, Skifliegen, Narzissenfest und Kiritog. Zum Glück bin ich geistig und wirtschaftlich unabhängig und trau mir zu sagen, was ich denke.“
Das heißt Sie möchten der Region mehr Gehör im Land verschaffen?
„Ja. Und nicht nur das. Ich will nach oben hin wirken und antreiben. Von der eigenen Partei kann man Sachpolitik, Vernunft und Generationengerechtigkeit einfordern.“
Wie groß ist die Enttäuschung, dass die neue Landesregierung das Klinikum Stainach abgesagt hat?
„Die Enttäuschung ist sehr groß. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass es die einzige zukunftsfähige Lösung ist. Das derzeitige Modell, mit Ablasszahlungen in Nachbarbundesländer, ist ein kompletter Wahnsinn. Nur ein Beispiel: Meine Eltern haben sechs Enkelkinder, die hier wohnen. Doch kein einziges ist im Bezirk auf die Welt gekommen. Mir fehlen dazu die Worte.“
Sie bleiben dennoch der ÖVP treu?
„Das Rechtfertigen für Fehler von anderen ist ermüdend und der Wille nach Verbesserung in der eigenen Partei ist größer, als die Partei zu verlassen. Es gibt ja auch viele, die es ähnlich sehen. Ich möchte meinen Kinder in zehn Jahren, wenn sie wahlberechtigt sind, sagen können, warum sie die ÖVP wählen können.“
Wie werden Sie die Zusammenarbeit im Gemeinderat anlegen?
„Die ÖVP hat in unserem Gemeinderat eine Zweidrittel-Mehrheit. Dennoch haben wir in den letzten 16 Jahren 95 Prozent aller Beschlüsse einstimmig gefasst (vor der Gemeindefusion 2015: Pürgg-Trautenfels, Anm.). Das ist mit ein Grund, warum ich mein Mandat zurücklegen werde und Volksbürgermeister sein möchte. Auf kommunaler Ebene hat Parteipolitik nichts verloren. Es zählt nicht das Mascherl, das auf einer Liste steht. Insofern möchte ich gleich weitermachen wie bisher. Mit der SPÖ gibt es ein bestes Einvernehmen. Die FPÖ hatte relativ viel Fluktuation, weswegen es schwieriger war, sich auf die Mandatare einzustellen. Ich möchte intern diskutieren und nach außen Ergebnisse präsentieren.“
Welche Schwerpunkte möchten Sie in der restlichen Amtsperiode setzen?
„Ich möchte die Souveränität wieder zurückgewinnen. Dazu müssen wir Überschüsse schreiben, denn wenn ich keine freien Mittel habe, kann ich nur verwalten. Wir sind zum Beispiel ein Schulstandort. Von der Kinderkrippe bis zur Matura muss man den Ort nicht verlassen. Diese Infrastruktur gilt es zu erhalten. Unsere Mittelschule ist beispielsweise dringend sanierungsbedürftig.“
Sie sind Vollerwerbslandwirt und ab morgen Bürgermeister. Bleibt da noch Zeit, um weiterhin Hauptmann der FF Wörschachwald zu bleiben?
„Ich mache das seit 2012 und es ist mein Hobby. Wir pflegen eine gute Kameradschaft und ich mach das wirklich gerne. Ich hab auch einen sehr guten Stellvertreter, mit dem das abgestimmt war. Ich möchte meine eigenen Kinder noch selber in der Feuerwehr aufnehmen, doch wenn sich vorher jemand aufdrängt, bin ich der Erste, der sagt: Bitte, mach!“

