„Die Kraft muss aus dem Ort kommen“
24.04.2026 WirtschaftAm Dorfplatz in Weißenbach bei Liezen eröffnet am 30. April ein neuer Nahversorger. Betreiber ist die Ums-Egg-Genossenschaft, die im Bezirk Liezen auch in Pruggern und Ardning Standorte besitzt.
Nur noch wenige Tage sind es, bis der neue Nahversorger im Wei- ...
Am Dorfplatz in Weißenbach bei Liezen eröffnet am 30. April ein neuer Nahversorger. Betreiber ist die Ums-Egg-Genossenschaft, die im Bezirk Liezen auch in Pruggern und Ardning Standorte besitzt.
Nur noch wenige Tage sind es, bis der neue Nahversorger im Wei- ßenbach in Betrieb geht. Doch bis dahin gibt es noch viel zu tun. Auch heute sind die ersten Helfenden schon früh am Morgen zum Einräumen der Ware eingetroffen. Auf jedem Regal klebt ein fein säuberlich ausgedruckter Zettel, der Orientierung gibt, welche Produkte hier platziert werden sollen. Und auch im Lager herrscht reges Treiben. Wie groß die Vorfreude der Dorfgemeinschaft auf den neuen Nahversorger ist, zeigt sich am bereits geleisteten Arbeitsumfang: „Um die eintausend ehrenamtlichen Stunden müssten es inzwischen sein“, schätzt Bernd Fischer. Der Geschäftsführer der 2018 gegründeten Dorfgenossenschaft „Ums Egg“ ist heute hier, um die Abläufe zu koordinieren. Denn speziell in der Vorbereitungsphase ist Routine gefragt. Schließlich ist der Nahversorger in Weißenbach nicht sein erstes Projekt. Nach dem Start in Losenstein betreibt „Ums Egg“ mittlerweile mehrere Nahversorger in Oberösterreich und mit Standorten in Ardning und Pruggern auch im Bezirk Liezen. Letztere wurden bislang von Losenstein aus beliefert. Eine Aufgabe, die künftig der Ums-Egg-Markt in Weißenbach erledigen wird. Denn einer der Vorteile des Systems sei der gemeinsame Einkauf, so Fischer. Damit erziele man eine schnelle Drehung der Ware, eine höhere Flexibilität in der Sortimentsgestaltung und könne kleinere Verpackungseinheiten, wie beispielsweise Obst und Gemüse per Stück, anbieten. Schließlich „wollen wir nachhaltig arbeiten und Lebensmittelverschwendung vermeiden“, unterstreicht Fischer die Geschäftsphilosophie.
Regionale Ware
Auch in der Sortimentsgestaltung geht man bei „Ums Egg“ neue Wege, indem sich die Dorfgenossenschaft nicht an den Großhandel bindet, sondern auf regionale Produzenten und Bio-Lieferanten setzt. „So nah wie möglich ist unser Credo“, unterstreicht Fischer die Art des Warenbezugs. Damit könne man ein Sortiment bieten, „das man nur hier bekommt“, so der Geschäftsführer. Die Öffnungszeiten beziehen sich auf die Vormittage: Montags bis freitags herrscht von 7.30 bis 12.30 Uhr Betrieb im Nahversorger in Weißenbach. Außerhalb der Geschäftszeiten können ausschließlich Genossenschaftsmitglieder einkaufen. Und davon gibt es in Weißenbach knapp 90. Die Zielsetzung liege bei einhundert, so Fischer, doch die Erfahrung zeige, dass man gerade rund um die Eröffnung noch einige neue Mitglieder gewinnen könne. „Pioniere muss man eben genug finden“, umreißt Fischer die Herausforderung der Betriebsform. Denn die Einlagen stellen das Eigenkapital sicher. „Die Kraft muss aus dem Ort kommen, denn wenn selbst die Bevölkerung kein Interesse an einem Nahversorger hat, wer dann?“, stellt Fischer die alles entscheidende Frage. Dass bei vielen Weißenbachern das Interesse an einer Genossenschaftsmitgliedschaft groß ist, hat bereits eine Umfrage im Vorfeld gezeigt. Für Fischer die Entscheidungsgrundlage für die Markteröffnung. Neben den Einlagen stellen auch Förderungen des Regionalmanagements Bezirk Liezen (RML), der Gemeinde, des Landes und der EU sicher.
Anfragen aus ganz Österreich
Eine der fleißigen Helfenden, die heute geschäftig durch den Nahversorgermarkt wuseln, ist Elisabeth Lorbek. Sie ist eine der beiden Mitarbeitenden des neuen Ladens und war bereits für den Nah-und-Frisch-Markt tätig, der zuvor einen Nahversorger am Dorfplatz betrieben hat. Die Schließung ist für Fischer keine Überraschung, denn vielerorts sei eine Genossenschaft mittlerweile die einzige Lösung, um neben gro- ßen Ketten bestehen zu können: „Natürlich müssen auch wir wirtschaften, doch wir haben ein System, das mit diesen kleinen Geschäftsflächen zurechtkommt“, so Fischer. Als Infrastruktur dienen Leerstände in den Ortszentren, wie auch in Weißenbach. „Wir fangen mit keiner seelenlosen Kiste an, sondern bauen auf Traditionen auf“, sagt der Ums-Egg-Geschäftsführer über das Geschäftslokal am Dorfplatz. Beseelt werden soll dieser Ort auch durch eine Kaffee-Ecke. Süßes wird von der nur wenige Meter entfernten Konditorei „Jederzeit“ gebacken, denn in Konkurrenz käme man aufgrund der unterschiedlichen Öffnungszeiten nicht. Zudem sei die Kaffee-Ecke auch der dringendste Wunsch an den neuen Nahversorger gewesen, wie die Umfrage ergeben habe, so Fischer. Und woher kommen die Zutaten für die süßen Backwaren? „Natürlich aus unserem Ums-Egg-Nahversorger“, erklärt der Geschäftsführer. Das Konzept weckt nicht nur in Wei- ßenbach, sondern vielerorts Interesse. „Wir erhalten Anfragen aus ganz Österreich“, beschreibt Fischer den großen Bedarf. Auch in der Steiermark könnte es schon bald noch mehr Standorte geben.

