Kitzrettung aus der Luft
01.05.2026 RegionalesRehkitze aus dem hohen Gras bergen und damit vor dem Mähtod bewahren: Der Jagdschutzverein Irdning rüstet sich mit drei Drohnen aus.
Jährlich werden rund 3000 Rehkitze bei Mäharbeiten in der Steiermark getötet, schwer verletzt oder ...
Rehkitze aus dem hohen Gras bergen und damit vor dem Mähtod bewahren: Der Jagdschutzverein Irdning rüstet sich mit drei Drohnen aus.
Jährlich werden rund 3000 Rehkitze bei Mäharbeiten in der Steiermark getötet, schwer verletzt oder verstümmelt. Österreichweit liegt die Zahl sogar bei 25.000. In vier Gemeinden des Ennstals soll dieses Tierleid nun durch ein ehrgeiziges Vorhaben des Jagdschutzvereins Irdning vermieden werden. Obmann Manfred Schaunitzer war schon vor einigen Jahren im Raum Liezen bei einer Kitzrettung mittels Wärmebilddrohne dabei: „Ein unglaublich großes Glücksgefühl, das Kleine aus dem Gras zu retten, wo es in Sicherheit ist“, fasst er das Erlebte zusammen. Ab diesem Mai kommen auch in Irdning, Aigen, Wörschach und Stainach Wärmebilddrohnen zum Einsatz. Möglich macht dies ein Leader-Projekt, das durch Förderungen von EU, Land und Bund die Finanzierung dreier Drohnen sicherstellt. Zusätzlich konnte die Volksbank als Sponsor gewonnen werden. „Für uns als Leader-Region ist die Kooperation von Jagd, Landwirtschaft, Naturschutz und Ehrenamt einer der wesentlichen Punkte für die Unterstützung dieses Projekts“, beschreibt die Geschäftsführerin der Leader-Region Ennstal-Ausseerland, Barbara Schiefer, die bereichsübergreifende Zusammenarbeit.
Kurzes Zeitfenster
Peter Kettner, Obmann Landwirtschaftskammer Liezen, spricht von „einer großartigen Sache, einen digitalen Schutzschirm über unsere Mähwiesen zu spannen und so die Tiere zu schützen“, lauten seine lobenden Worte, mit denen er speziell das Ehrenamt hervorhebt. Denn jeder der zwölf Drohnenpiloten, die allesamt Mitglieder des Jagdschutzvereins Irdning sind, steht freiwillig im Einsatz. Ein Engagement, das vor allem große Flexibilität und Zeit erfordert. Denn „das Zeitfenster, in dem gemäht wird, ist knapp“, gibt Kettner zu bedenken. Um die Rehkitze, die während ihrer ersten Lebenswochen versuchen, sich im hohen Gras vor natürlichen Feinden zu verstecken, zu orten, muss die mit einer Wärmebildkamera ausgestattete Drohne schon am frühen Morgen starten. Geflogen wird in einer Höhe von 50 bis 80 Metern nach einer zuvor programmierten Route. Wird ein Kitz entdeckt, sorgen freiwillige Helferinnen und Helfer für dessen Bergung. Besonders wichtig: „Das Kitz nicht mit bloßen Händen, sondern mit Einweghandschuhen hochzuheben und direkten Körperkontakt zu vermeiden“, lautet Manfred Schaunitzers Expertise. So soll sichergestellt werden, dass die Rehgeiß das Kitz nicht aufgrund des menschlichen Geruchs verstößt.
„Tut im Herzen weh“
„Die Jägerschaft ist begeistert“, beschreibt Klaus Koller, Obmann der Gemeindejagd Donnersbach, die große Zustimmung über die Rehkitzrettung mithilfe von Drohnen. Als Bergbauer und Jäger habe er im Laufe der Jahre elf Rehkitze nach einem Mähunfall versorgt und gepflegt. Die Verletzungen seien teils schwer und „so etwas zu sehen, tut im Herzen weh“, wie er sagt. Das nun gestartete Projekt sei gelebter Tier- und Naturschutz und komme nicht nur Rehkitzen zu Gute, so Koller. Auch Hasen und bodenbrütende Vögel könne man mittels Wärmebildkamera orten und retten. Einziger Wermutstropfen: „Drei Drohnen sind in diesem Gebiet einfach zu wenig“, so Koller. Sein Appell an die öffentliche Hand: dieses Projekt auszubauen und weiter zu fördern. Auch Kammerobmann Peter Kettner hofft, dass dieses kostenlose Angebot für Landwirte auf den ganzen Bezirk Liezen ausgerollt werden könne.




