Die BH Gröbming stellt Teile der Talbachklamm unter Naturschutz. Kraftwerksgegner jubeln, rechnen aber mit Einsprüchen.
Der Obertalbach und der Untertalbach vereinigen sich zum Talbach, der sich seinen Weg über eine Klamm in Richtung ...
Die BH Gröbming stellt Teile der Talbachklamm unter Naturschutz. Kraftwerksgegner jubeln, rechnen aber mit Einsprüchen.
Der Obertalbach und der Untertalbach vereinigen sich zum Talbach, der sich seinen Weg über eine Klamm in Richtung Schladming bahnt. Am Klammausgang betreibt der Verbund ein über 120 Jahre altes Kraftwerk. Das Wasser dafür wird rund 150 Meter weiter oben über einen Stollen zum Krafthaus abgeleitet. Als der Verbund und die Kapsch Holding Interesse einer erweiterten energetischen Nutzung des Fließgewässers kundtaten, fürchteten Kraftwerksgegner um das Naturschauspiel in der Klamm. Es formierte sich eine Bürgerinitiative, die sich gegen die Pläne der Energieversorger einsetzte. Um einen Ausbau zu verhindern, nahm die Stadtgemeinde Schladming frühere Bemühungen einer Unterschutzstellung wieder auf. Vergangene Woche ernannte die Bezirkshauptmannschaft Gröbming die Talbachklamm zum Naturdenkmal.
Kriterien erfüllt
Ein Amtssachverständiger kam vor rund einem Jahr zu dem Schluss, dass für Teile der Klamm Gründe für einen Schutz vorliegen könnten. Es folgte ein vorläufiger Schutz für eine genauere Überprüfung. Daraufhin gaben Grundeigentümer Stellungnahmen ab, selbst privat in Auftrag gegebene Gutachten gingen ein. Inhaltlich reichten die Einschätzungen von klarer Zustimmung bis hin zu deutlicher Ablehnung. Die Bezirkshauptmannschaft erstellte ein Ergänzungsgutachten sowie ein gewässerökologisches Gutachten und sichtete die Eingaben. Die Behörde ist zur Kenntnis gelangt, dass die Kriterien für ein Naturdenkmal laut Steiermärkischem Naturschutzgesetz erfüllt sind. Gegner haben nun vier Wochen Zeit Rechtsmittel einzubringen. Dann wird das Verfahren beim Landesverwaltungsgericht ein weiteres Mal aufgerollt.
Jahrelanger Widerstand
Noch vor der Gemeindefusion kämpfte Schladmings Bürgermeister Hermann Trinker gegen eine energetischen Nutzung des Talbaches. Umso größer wiegt bei ihm die Freude über den Bescheid. „Die Talbachklamm ist nicht nur ein ökologisches Juwel von internationaler Bedeutung, sondern auch ein identitätsstiftendes Element unserer Stadt. Mit der Ausweisung als Naturdenkmal sichern wir diesen einzigartigen Naturschatz für unsere Kinder und Enkelkinder und für unseren Tourismus.“ Der Erfolg sei das Ergebnis eines jahrelangen Widerstands „gegen Investoreninteressen, die bereit gewesen wären, einen der wertvollsten Natur- und Erholungsräume unserer Gemeinde für kurzfristige Profite zu opfern“. In Richtung Naturdenkmal-Gegner findet Trinker mahnende Worte: „Wer diese Entscheidung bekämpft, stellt sich bewusst gegen die Zukunft unserer Jugend, gegen eine nachhaltige Tourismusentwicklung und gegen den klaren Willen der Bevölkerung.“
Gefährdete Tierarten
Gegen einen Kraftwerksbau und für die Ausweisung als Naturdenkmal hat sich die Bürgerinitiative Wilde Wasser Enns-Talbachklamm eingesetzt. Um die Schutzwürdigkeit zu untermauern, gab die Initiative ein eigenes Gutachten in Auftrag. Obmann Franz Zefferer ist überzeugt, dass das 108 Seiten starke Papier seinen Beitrag zum Naturdenkmal geleistet hat.
Ersteller des Dokuments ist das Grazer Institut für Tierökologie und Naturraumplanung Ökoteam. Im Zuge der Untersuchung wurden in der Klamm mehr als 125 Tierarten nachgewiesen. Unter anderem 23 Weberknechte, 35 Spinnen, 22 Tausendfüßler, 35 Stein-, Köcher- und Eintagsfliegen sowie 133 Moosarten – darunter stark gefährdete der Schwarze Zweidorn oder der Schwarze Riesenweberknecht.